Sonne, Regen und der Wind aus der falschen Richtung

Mittwoch, 1.6.2011: Makkum – Stavoren

Nachdem wir uns endlich gegen 11:00 Uhr an Bord trafen, wurde schnell der Proviant verstaut und eine kleine Schweißnaht am Bugkorb angebracht. Ich nutzte die Wartezeit, um letzte Besorgungen im nahegelegenen Supermarkt zu tätigen. Bestimmte Sachen kaufen wir nämlich grundsätzlich erst in Makkum ein. Dazu gehören unter anderem Cola und Minaeralwasser (kein Pfand!) und die an Bord so beliebten Erdnüsse. Zugleich kaufte ich noch Kaffee für unsere Pad-Maschine. Auch diese Vorräte waren schnell verstaut und es konnte endlich losgehen.

 

Der Wetterbericht ließ nichts gutes verheißen: Sonne, 20°C und kein Wind. Und so war es denn auch. Da wir uns mit Freunden für den nächsten Tag in Stavoren verabredet hatten, tuckerten wir unter Maschine langsam in Richtung Stavoren.

Doch was war das? Brieste es etwa auf? „Maschine aus, Klüver raus!“, hieß es schnell und siehe da: Wir segelten. Wenn auch langsam, aber immerhin. So verbrachten wir die letzte Stunde unter Segel Richtung Stavoren, wo wir gegen 16:00 Uhr im Gemeindehafen als zweites Schiff im Päckchen festmachten. Traditionell folgte ein ausgiebiges „Einlaufbier“ mit Bitterballen in einem schönen „Dachterassen-Biergarten“ (Garten? Naja… Nett war es trotzdem).

 

Wir wollten an Bord kochen und so gingen wir wieder an Bord um das Abendessen vorzubereiten. Mit einem schönen Bordabend klang dieser Tag dann langsam aus.

 

Donnerstag, 2.6.2011: Stavoren – Enkhuizen

Der Tag begann, so wie es bei uns an Bord üblich ist: Ein ausgiebiges Frühstück wurde bereitet. Wie lautet die allseits bekannte Regel? „8-9-10“-Regel? 8 Uhr aufstehen, 9 Uhr Frühstück, 10 Uhr Ablegen? Nun; bei uns müsste es eher 8-9-11-Regel heißen… Da wir unsere Freunde vor der Schleusenausfahrt treffen wollten und ich mir sicher war, dass die beiden den Tag ähnlich begannen, glaubte ich, noch etwas Zeit zu haben. Unsere Freunde wollten aus Heeg kommend zu uns stoßen. Aber die beiden überraschten mich mal wieder und trafen 5 min. nach uns im Schleusenvorhafen ein.

Wir gingen beide längsseits, machten kurz fest und besprachen den weiteren Tag. Da wieder kein Wind wehte, in Enkhuizen ein Jazz-Festival lief und wir einen Stadtgang machen wollten, entschieden wir uns, direkt nach Enkhuizen zu fahren. Das war auch eine weise Entscheidung, bekamen wir doch den letzten Platz direkt an der Kaimauer. Unsere Freunde gingen zu uns in Päckchen.

Wir ahnten schon, dass dies nicht so bleiben sollte und nach einiger Zeit hatten wir sieben (!) Nachbarn. Nun ja… Gott sei Dank alles Segler, die sich benehmen konnten. Keiner trampelte wir ein Elefant über die anderen Boote.

 

Das „t’Ankertje“ rief und so tranken wir unser Einlaufbier dort, nachdem wir einen ausgiebigen Stadtgang gemacht hatten. Zurück an Bord wurde das Abendessen vorbereitet. Da ich nicht nur Skipper sondern auch Smutje bin, hatte ich Schweinefilet in einer Pfefferrahmsauce mit Bratkartoffeln vorbereitet.

Wie ich an den Portionen sah, hat es wohl allen gut geschmeckt. Die Backschafter machten ihre Arbeit und der Koch (und der Rest der Mannschaft natürlich auch) konnten auf dem „Sonnendeck“ bei unseren Freunden einen herrlichen Abend genießen.

 

Freitag, 3.6.2011: Enkhuizen – Medemblik

Heute war Wind zu spüren! Noch nicht im Hafen, aber im Krabbersgat wehte uns doch eine frische Brise mitten ins Gesicht. Der Wind kam zwar noch von vorne, aber das sollte sich an Tonne KO11 ändern. Wir änderten an der Tonne den Kurs auf 340° und segelten mit frischem Wind aus östlichen Richtungen Richtung Osterdijk. Die Segel standen gut, das Boot war ausgetrimmt und so konnten meine Gäste auch mal „unter Segel“ Rudergehen…

Nachdem wir die Hook von Osterdijk passiert haben, fielen wir etwas ab und nahmen die Kirchtürme von Medemblik als Landmarke an. Man konnte diese bei bestem Wetter bereits gut erkennen. Lars begann etwas über „Unwohl sein“ zu sinnieren. Das kam aber sicher nicht vom Seegang, der unser Boot nur mäßig schaukeln lies, sondern eher von der fehlenden Kopfbedeckung. Ein leichter Sonnenstich war wohl die Folge. Dabei rate ich meinen Gästen immer und stets: „Zieht eine Mütze auf! Unterschätzt die Sonne nicht!“. Aber sind die Jungs nicht alle alt genug?

 

In Medemblik angekommen, fuhren wir in unseren „Stamm-Yachthafen“, dem Westerhaven. Natürlich hatte Pit, der Hafenmeister, Platz für uns zwei Schiffe. Ich mag diesen Hafen. Die dort herrschende Ruhe und dennoch mitten im Ort lassen uns immer wieder dorthin fahren.
Das traditionelle Einlaufbier nahmen wir bei Frank, dem Wirt des Restaurants „Twee Schouwtjes“ im Gemeindehafen ein. Man(n) sitzt dort herrlich unter Bäumen und wir konnten dem Einlaufen von vielen Contest-Yachten zusehen. Hatten die heute hier wieder ihr traditionelles Treffen?

 

Eigentlich wollten wir heute auswärts beim Chinesen „Danny Leung“ an der Hauptstraße essen. Aber dieses bekannt gute Restaurant hatte geschlossen; es sah nach umfangreichen Renovierungsarbeiten aus, man werkelte fleißig. Also dann doch wieder zu Frank. Dieser bietet in seinem wirklich tollem Restaurant leider das „Mieters Menü“ nicht mehr an. Wir entschlossen uns zu einem „6-Gang-Menü serviert in zwei Schritten“. Es kamen als Vorspeise und als Hauptgericht jeweils 3 kleinere unterschiedliche Gerichte. Wie immer war es sehr gut! Allerdings finde ich diese gute Idee mit über 30€ etwas zu teuer.
 

Der herrliche Abend bescherte uns noch einen Bordabend auf dem „Sonnendeck“, aber diesmal bei uns in der Plicht.

 

Samstag, 4.6.2011: Medemblik – Hindeloopen

Welch‘ Wind! Herrlich! Leider direkt von vorne. Ich heuerte auf dem Motorboot unserer Freunde an und genoss eine herrliche Überfahrt bei 5-6 Windstärken.

 

Meine Crew hatte dagegen nicht ganz so viel Glück. Sie mussten kreuzen. Und da der Wind weiter auffrischte (am Ende standen auch 7 Bft. auf der Uhr) wurde die Kreuz immer schwieriger zu halten. Zuerst Richtung „De Flieter“, dann Wende. Leider konnte die Crew Hindeloopen nicht annehmen, so dass kurz vor Stavoren die Segel geborgen wurden und unter Maschine Hindeloopen angelaufen wurde. Die Segelyacht kam dann schließlich gegen 18:30 an, die Crew war geschafft und ohne größere Restmotivation.

 

Naja, dann sollte das geplante Essen im Restaurant „De Drie Harinkjes“ etwas die Laune heben, aber leider war dort kein Platz zu bekommen. Schließlich nahmen wir im Restaurant „’t Kalkoentje” Platz und wählten “Spare Ribs unbegrenzt”. Entweder war das an diesem der Dauerrenner oder der Einkäufer hatte einfach zu wenig geordert. Nach der zweiten Runde waren die Spare Ribs alle und man servierte uns stattdessen unaufgetaut gebratenes Schweinefilet. Innen noch roh und kalt und außen verbrannt. Widerlich! Einfach Widerlich!


 

Sonntag, 5.6.2011: Hindeloopen – Makkum

Es regnet! Und wie! Beim Ablegen regnet es, unterwegs regnet es. Platzregen. 6 Bft. und der Regen kommt waagerecht genau von vorne. Ein Mist-Wetter; man fragt sich, warum man das überhaupt macht. Es ist kalt. Für den Monat sogar bitterkalt. Das Autothermometer wird später 10°C anzeigen.


Wir kommen im strömenden Regen in Makkum an und versuchen einigermaßen das Boot aufzuklaren. Alles ist nass. Aber irgendwie haben wir die Sachen dann doch in den Autos verstaut. Aufgrund der Feuchtigkeit beschlagen die Scheiben von innen…
Wir beschließen unseren Törn bei einer großen Portion Patat Spezial zu beenden und fahren in den Ort zu „Sultan“. Hier genießen wir unseren Snack und machen uns anschließend auf die Heimreise.
 

 

Fazit:

Ein Törn mit allem, was das Ijsselmeer zu bieten hat. Wind von 8 – 7 Bft. Sonne Regen, Wolken.

Alles in allem wieder ein schöner Törn und wir verabredeten uns mit dieser Crew für das nächste Jahr.


Aktualisierung: 2011/07/11 - 13:35 / Redakteur: Christian Fette



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